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18.10.2004

Die Zucht des Windenschwärmer (Agrius convolvuli)

von

Bostjan Dvorak

 

Windenschwärmerpuppen können sehr gut überwintern. Sie sind - ähnlich den Totenkopfschwärmerpuppen und im großen Gegensatz zu den Oleanderschwärmerpuppen - voll diapausenfähig; ist die Winterruhe (durch sinkende Temperaturen und/oder abnehmende Tageslänge im Raupenendstadium begünstigt und durch niedrige Temperaturen in der frischen Puppenphase initiiert) einmal eingeleitet, währt sie mindestens 6, gewöhnlich 7 oder 8 Monate oder mehr, im Extremfall 2 Jahre. (Totenkopfpuppen können auch über 3 Jahre ruhen.)


A. convolvuli und A. atropos überwintern in den Gebieten s üdlich der Alpen (Mittelmeerraum) regelmäßig im Puppenstadium, während dies nördlich davon eher selten ist; einerseits ertragen die Puppen keinen Frost und gehen, wenn dieser bis zu ihnen dringt, zugrunde (anders jedoch, wenn sie besonders tief oder an einer besonders geschützten Stelle eingegraben - bzw., wie in der winterlichen Diskussion unseres Forums mehrfach vermutet, evtl. durch die Schneedecke geschützt sind), - andererseits verpuppt sich ein großer Teil der in Mitteleuropa gefundenen Windenschwärmerraupen so zeitig im Sommer, dass die Diapause nicht initiiert wird und die Puppen schon in der Herbstzeit Falter ergeben. Diese scheinen dann zurückzuwandern. Dieser Verlauf, der für Gebiete nördlich der Alpen gewissermaßen typisch ist, ist für den Mittelmeerraum interessanterweise sehr ungewöhnlich; dort findet man über den Sommer normalerweise keine oder nur äußerst wenige Raupen, dafür aber regelmäßig sehr viele in der Herbstzeit - und alle diese Raupen verpuppen sich zu einem Zeitpunkt, in dem die Diapause zu 100% eingeleitet wird. (Die Falter schlüpfen im Laufe des nächsten Sommers.) Die Eiablagen finden in diesen Gebieten entsprechend später statt als im Norden; während des Sommers (auch wenn man ständig Falter beobachten kann) meist gar nicht bzw. nur in extremen Ausnahmefällen, wenn es regnerisch und kühler ist. - Daher liegt die Vermutung nahe, dass Wasseraufnahme und Temperatursturz die Eiablage hervorrufen - und diese in Mitteleuropa aufgrund klimatischer Gegebenheiten viel frü her (sofort) stattfindet, was als von der Regel eher abweichendes, einerseits fehlgeleitetes, andererseits in Anbetracht des Futterangebots und der Überwinterungsmöglichkeiten höchst sinnvolles Verhalten gedeutet werden kann (s. Diskussion im Forum). Trotzdem finden sich auch hierzulande regelmäßig Fälle, in denen die (späten) Raupen überwinternde Puppen ergeben, - sei es, dass die Eiablagen, die im mediterranen Raum stattfinden, auch über die Alpen ausgedehnt werden, sei es, dass die Falter, die hier schlüpfen (2. Generation) - was sehr unwahrscheinlich ist - zur Ablage kommen. Solche Puppen haben - wenn man sich ein bisschen um sie kümmert - gute Überlebenschancen; das Wichtigste sind zuerst gute Verpuppungsbedingungen und dann eine angemessene Lagerung bis zu den Sommermonaten, wenn der Falter schlüpft.


Zur Verpuppung eignet sich am besten lockere, feuchte Erde, die sich gut formen lässt und nicht allzu sehr krümelt, damit die Raupe sich eine stabile Erdhöhle bauen kann. Am besten bewährt hat sich toniger Boden - und zwar Idealerweise von Maulwurfshaufen entnommen. In der Natur sind die Bedingungen auch nicht überall gleichermaßen günstig; es kommt vor, dass große Mengen der Raupen oder (später) Puppen umkommen, wenn der Boden nicht zum Eingraben geeignet ist. Findet die Verpuppung nicht in der Erdhöhle statt, trocknet die Puppenhülle oft aus oder kann sich erst gar nicht gut entwickeln - und außerdem ist die Puppe den Feinden ausgeliefert. Später (z.B. nach einem Monat) ist es dann (zu Hause) nicht mehr so wichtig, dass die Puppe in der Erde bleibt, aber da sie stets auszutrocknen droht, immer noch am günstigsten. Ist die Erde tonig (und wird später fest), kann man die Puppen darin getrost bis Mai im Kühlen liegen lassen... (Dann sollte man sie allerdings befreien!) Vorsicht aber bei humushaltiger Erde! Diese tut den Windenschwärmerpuppen nicht gut und richtet sie oft zugrunde. In der Natur verpuppen sich die Raupen in Erdkrümelhaufen an Wegrändern, unter steilen Böschungen, Abgründen oder im (frisch gepflügten) Ackerboden. (An solchen Stellen wachsen meistens auch die Winden, die ebenfalls frischen Boden benötigen.)
Wie im Forum bereits mehrfach beschrieben, eignen sich zur Verpuppung mit lockerer Erde aufgefüllte Gefäße (z.B. Rama- oder Eisschachteln, Eimer, Blumenschalen udgl.). Die Erde sollte der Formbarkeit wegen gut feucht, aber nicht nass sein.


Allgemein können Temperaturen bis knapp über dem Gefrierpunkt noch ertragen werden, ideal ist Kellertemperatur (Altbau) mit durchschnittlich 5-7 Grad C. Die Puppe ist etwas empfindlicher als die des Totenkopfschwärmers (verträgt auf Dauer nicht jeden Boden und ist außerdem schimmelanfällig).


Ei des Windenschwärmers

Foto eines Eis (B. Dvorak)


Mit etwas Glück schlüpft dann im nächsten Sommer der schöne Windenschwärmer und streckt - auf einem dafür vorbereiteten Ästchen - seine Flügel aus. Der Abflug findet erst am nächsten Abend statt - und zwar (damit der Falter sich gut orientieren kann), wenn der Himmel gerade noch ein bisschen hell ist...

 

Viel Glück und Freude bei der Zucht!

 

Bostjan Dvorak

 

 

 

 
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